Storytelling Veränderung - Ein bisschen Schüchtern!

Ein bisschen Schüchtern!

Während meiner Studienzeit wurde es zu einem schönen Ritual, freitags nach Ende der letzten Vorlesung zusammen noch etwas zu unternehmen. Meist waren wir 10 oder mehr und es gab immer genug Ideen wie man den angebrochen Abend angemessen ausklingen lassen könnte. An diesem Abend musste mir jedoch etwas entgangen sein. In Windeseile war die Uni leergefegt und nur ich und zwei weitere Kommilitonen standen etwas verloren und ratlos wie die 3 Stooges in den großen Fluren. Ein 2 Meter Mann mit Glatze – also ich, ein etwas zu füllig gebauter Italiener mit schütterem Haar und ein zwischen uns beiden schon fast schmächtig wirkender, gut durchtrainierter Marathonläufer. „Was machen wir jetzt“ fragte ich die beiden? „Och, lass uns doch in die Sand-Bar gehen, dass ist ein gemütliche kleine In-Kneipe in der Nähe vom Zoo“ erwiderte unser italienischer Freund.



Als wir dort ankamen war es bereits nach 22 Uhr. Der Laden war voll – mit Menschen, Stimmengewirr und Musik die im Hintergrund spielte. „Da hinten ist noch ein Platz frei“ hörte ich mich sagen worauf ich die Antwort bekam: „Sag mal, hast Du die hübsche Bedienung gesehen!?“ – Nein, ich hatte sie nicht gesehen, aber ich hab ja auch nur einen Platz zum sitzen gesucht. Während ich mich auf das wesentliche konzentrierte, hatte unser Marathonläufer nur Augen für die Schönheit der Umgebung (scheint an der Sportart zu liegen). Fast eine ganze Stunde folge er ihr mit seinen Blicken und ein richtiges Gespräch war mit ihm auch nicht möglich. „Geh` doch rüber und sprich sie an“ schoss es mir über die Lippen. „Was soll ich den sagen“, bekam ich als Antwort, mit einem erschreckt, fragenden Blick. Bis ihm so richtig klar wurde, was er da eben gesagt hatte, badete er schon in einem deutsch / italienischen Trommelfeuer von guten Ratschlägen, bis hin zu dem Moment, in dem ihm eine Abfuhr scheinbar erstrebenswerter zu sein schien, als weiter unserem fachmännischen Rat zu lauschen.



Er stand auf, wühlte sich wie ein Maulwurf durch die Menge und sprach „seine“ hübsche Bedienung an. Was er zu ihr gesagt hat weiß ich leider nicht, aber das Gespräch dauerte fast fünf Minuten. Wir waren gespannt wie eine überdrehte Eieruhr: „Und, was hat sie gesagt!?“ wollten wir wissen, worauf er nur trocken antwortete: „Sie geht grundsätzlich nicht mit Gästen aus!“ – „Und, was hast Du  geantwortet?“ – „Eija, nichts, was soll ich darauf auch noch sagen!“ – „OK, dann sag ihr doch einfach, dass Du in diesen Laden nie wieder ein Fuß setzt, wenn sie mit Dir ausgeht!“ war mein glorreicher Vorschlag für eine „passende“ Antwort. Das verblüffende war, er zögerte nicht eine Sekunde, sondern stand auf und ging zielstrebig durch den Raum, direkt auf sie zu. Das Ergebnis war zwar das gleiche wie im ersten Anlauf, nur der Typ der da an unseren Tisch zurück kam war nicht mehr derselbe. Er war super gelaunt und total aufgedreht wie ein Duracell-Hase. Ich glaube mit so viel Adrenalin im Blut hätte ich 3 Tage nicht einschlafen können, aber Marathonläufer sind da wahrscheinlich etwas anders.



Diese kleine Geschichte zeigt,

Veränderung

passiert nicht nur indem wir unser Ziel erreichen. Sondern auch dadurch, dass wir uns den Herausforderungen stellen die uns auf dem Weg dorthin gestellt werden. Und selbst wenn wir eine Herausforderung nicht sofort meistern, haben wir gewonnen. Denn wir haben etwas getan was uns vorher Angst oder vielleicht sogar eine Heidenangst gemacht hat. Nach so einer Aktion fühlt man sich meist kraftvoll, entspannt und selbstbewusst – alles in allem einfach besser. Probiert es doch einfach mal aus wenn ihr die Möglichkeit dazu habt, es lohnt sich wirklich!



Hier noch ein paar Tipps, wie ihr es euch einfacher machen könnt.
  • Wenn ihr Angst habt etwas zu tun, überprüft ob ihr euch körperlich damit schadet. (Wenn ihr beispielsweise auf einem schmalen Geländer vor einen Abgrund steht, ist eure Angst wahrscheinlich mehr als berechtigt und völlig Gesund!). Wenn keine körperliche Schädigung zu erwarten ist – einfach loslegen.
  • Wartet nicht zu lange. Warten ist wie ein Fass das sich langsam mit Flüssigkeit füllt. Ab einer bestimmten Füllmenge ist das Fass aus eigener Kraft nur noch schwer oder überhaupt nicht mehr zu bewegen. Und genau so wirkt Warten, auf eure Fähigkeit zu handeln.
  • Denkt nicht darüber nach, was alles passieren könnte. Die Realität ist nicht annähernd so schrecklich wie in eurer Vorstellung. Überlegt euch lieber eine passende Strategie der ihr folgen könnt. Falls diese Strategie nicht funktioniert, denkt daran, ihr habt bereits gewonnen. Und darüber hinaus bekommt ihr für das nächste mal, noch jede Menge neuer Informationen für eine bessere Strategie – direkt aus der Praxis. シ